Das Familienwappen

Der Text auf dem Wappenblatt lautet:

Wappen der Familie Glaswinkler
Die Glaswinkler entstammen einem tapfer-
en und alten Geschlecht aus Bayern, deren
Wappen schon in Siebmacher's Chronik V. 201.
aus dem Jahre 1657 abgebildet sind.
Theiner, Augsburg III.

Da ich mich mit Heraldik nicht viel beschäftigt habe, basieren die Erklärungen zu unserem Familienwappen nur auf laienhaften bzw. spekulativen Annahmen.
Es ist sicher, dass unser Wappen alt und echt ist. Dem Vermerk, dass es in Siebmachers Chronik Band V 201 abgebildet und beschrieben ist, darf man bedenkenlos glauben. Der sog. alte Siebmacher wurde 1605 begonnen und ist somit die älteste Wappensammlung.

Die hier aufgeführten Wappen konnte man sich nicht selbst anfertigen lassen, sie wurden ausschließlich vom Hofpfalzgrafen oder dem Landesfürsten verliehen. Erst im 19. Jahrhundert wurde es Mode, dass sich bürgerliche Familien ein Wappen anfertigen ließen. Der neue Siebmacher, welcher um 1820 wieder beginnt, enthält eine Fülle dieser, heraldisch oft nicht stilgerechter Wappen.

Unser Wappen entspricht den heraldischen Regeln. Es besteht aus dem Wappenschild, dem Helm mit Helmzier und Helmdecke, sowie dem Symbol. Die Farbgebung mit zweimal Farbe rot und blau, sowie zweimal Metall Silber und Gold, entspricht ebenso den Grundregeln der Wappenkunde. Der im Wappen abgebildete Stechhelm weist im Gegensatz zum Topf- Kübel- oder Bügelhelm eindeutig auf ein Bürgerwappen hin. Die Form des Schildes entspricht einem mittelalterlichen Kampfschild und nicht dem barockisierten Symbolschild späterer Zeiten. Die klare und heraldisch korrekte Darstellungsform weist auf das Mittelalter als Entstehungszeitraum unseres Wappens hin. Diese Annahme wird gestützt durch das mit 1657 angegebene Vermerkdatum im alten Siebmacher. Es muss sich also vor diesem Zeitpunkt einer unserer Vorfahren so hohe Verdienste erworben haben, dass ihm die Ehre einer Wappenverleihung zuteil wurde.

Anmerkung

Mit Sicherheit entspricht der gesamte vorhergehende Abschnitt über das Wappen der Familie Glaswinkler nicht den Tatsachen.

Im Januar 1997 stellte ich Nachforschungen über das sogenannte Wappen der Familie Glaswinkler an. Der Verlag Degener in Neustadt/Aisch ist spezialisiert auf die Herausgabe von genealogischen und heraldischen Büchern und ist im Besitz des alten und neuen Siebmachers. Ein Telefonanruf bei diesem Verlag ergab, dass im Band V S. 201 der alten Siebmacher-Chronik kein Wappen verzeichnet ist, das sich auf die Familie Glaswinkler bezieht. Auf dieser Seite sind vorwiegend Wappen von Schweizer und Allgäuer Familien

aufgeführt. Eine Überprüfung hinsichtlich der im Glaswinkler – Wappen vorhandenen Symbole (in Gold drei rote Dreiecke) brachte ebenfalls keine Aufklärung. Bestätigt wurde diese Telefonauskunft durch ein Schreiben des „Herolds-Ausschusses der Deutschen Wappenrolle“ in Berlin vom 02.04.1997.

Das Glaswinkler – Wappen ist zweifelsfrei das Produkt eines sogenannten Wappenbüros. Die Fundstelle ist nicht existent. Das Wappen wurde vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts von einem Wappenschwindler Namens Theiner, Augsburg III im Auftrag hergestellt.

Paulus Glaswinkler jun.