Vorwort

Jeder Mensch hat einen Vater und eine Mutter, diese wiederum zwei Eltern – vier Großeltern also. Und mit jeder weiteren Generation verdoppeln sich die Vorfahren – 2040 Ahnen hat jeder Mensch im Laufe von 10 Generationen, in rund 300 Jahren. Das Blut dieser, und aller Ahnen vorher fließt in unseren Adern, verleiht uns Leben und Gestalt, Seele und Geist.
Seit meiner frühesten Jugend bewegte mich der Gedanke, meine Herkunft zu erforschen. Wer und was waren meine Vorfahren, wo und wie lebten sie. Mein Mutter erzählte mir oft alte Familienbegebenheiten und hat dadurch vielleicht meine Neigung zur Familienforschung geweckt. Sie war es auch, die in meinem Elternhaus das alte Brauchtum pflegte und lebendig erhielt. Nicht nur die kirchlichen Hochfeste wurden bei uns mit alten Bräuchen begangen, Mutter wusste auch von den vielen Bauernfeiertagen etwas, kannte viele Bauernregeln und vergaß keinen Namens- oder Geburtstag von lebenden oder verstorbenen Verwandten und Bekannten. Mit 10 Jahren schrieb ich aus eigenem Antrieb meine erste Ahnentafel nieder,

die bis zu den Urgroßeltern reichte. Später musste sich jeder zwangsläufig mit seinen Vorfahren beschäftigen, weil zu NS-Zeiten ein „arischer Nachweis“ gefordert wurde. Damals wuchs meine Ahnenkartei, wenn auch mit Lücken behaftet, doch bis zu sieben Generationen an. Der Krieg unterbrach meine familienkundlichen Arbeiten. 1945 heiratete ich, aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor. Familie, wirtschaftlicher Aufbau und so manches Ehrenamt forderten den ganzen Menschen und ließen meiner Liebhaberei, der Familienforschung keinen Raum. Mir blieb nur, alle Unterlagen wie Fotos, Briefe, Urkunden usw. zu sammeln und zur späteren Bearbeitung aufzubewahren.
Jetzt da ich im Ruhestand bin, sind es andere Einflüsse und Interessen die geeignet sind, mich an meiner selbst gewählten Aufgabe zu hindern. Diese abzuschütteln, mich hinzusetzen, das Sammelgut zu sichten, ordnen und schriftlich festzuhalten, will ich nun versuchen.

Aichach, im Oktober 1982

Paulus Glaswinkler sen.


Diese Sätze stehen einer Arbeit voran, die meinen drei Geschwistern und mir, unser Vater an Weihnachten 1982 zum Geschenk machte. Eine Arbeit die Zusammenfassung seiner bisherigen Forschung ist, aber auch Grundlage und gleichzeitig Anstoß zur Weiterarbeit sein möchte. Fragmente ohne wissenschaftlichen Anspruch, viele Annahmen, Fehler und noch mehr Träume hinsichtlich der historischen Bedeutsamkeit unserer Familie. Und trotzdem ist diese Chronik ein großes und wahres Geschenk, weil sie vor dem Vergessensein bewahrt, erinnert an die vielen Leben vor uns, denen wir unser eigenes verdanken und unserer individuellen Wichtigkeit den rechten Rahmen verleiht. Obwohl im Oktober 1982 mein Vater die besten Vorsätze hatte, die Forschung weiter zu betreiben und die Arbeit fortlaufend zu ergänzen, kam es dazu nicht mehr. Reisen und ferne Länder, eine weitere Leidenschaft von

ihm wog schwerer und so folgten bis zu seinem Tod im August 1990 keine weiteren Ergebnisse und Ergänzungen in Sachen „Familie Glaswinkler“.

Wenn ich selbst auch keine besondere Vorliebe zu direkten Nachforschungen in verstaubten Archiven an Hand von Büchern und Matrikeln habe, so will ich mich trotzdem dem Auftrag nicht entziehen und moderne Möglichkeiten der Informationsbeschaffung nutzen. Aus diesem Grund habe ich das Weihnachtsgeschenk meines Vaters digital aufbereitet und stelle die „Chronik der Familie Glaswinkler“ ins Netz. Offensichtliche Fehler habe ich richtig gestellt und neuere Erkenntnisse einfließen lassen, im weit überwiegenden Maß bleibt es aber die Arbeit meines Vaters.

Kaisheim, im August 2001

Paulus Glaswinkler jun.